Samstag, 13. September 2014

Das perfekte Dinkelrisotto

Tada! Wieder hat sich die alte Redewendung "Übung macht den Meister!" bewahrheitet. Wie ich schon im letzten Beitrag berichtet habe, ist mein letztes Dinkelrisotto ja mal so gar nicht perfekt geworden. Damit konnte ich aber einfach nicht leben. Ich wusste, das kann ich besser. Das muss einfach klappen. Tschaka! Denn wenn ich etwas in der Küche gelernt habe, dann ist es, dass man sich nie entmutigen lassen sollte. Irgendwie kann man ein scheinbar missglücktes Gericht immer retten. Naja und beim zweiten oder dritten Versuch klappt das Gericht mit Sicherheit viel besser. Da kommt dann auch schon die nächste Redewendung um die Ecke und winkt uns fröhlich zu: "Aus Fehlern lernt man!". 
Ich dachte mir dieses Mal, ich nehme einfach kein Gemüse, welches noch ewig weich kochen muss - so musste ich mir vorher auch kein perfektes Timing überlegen. Pilze sind dazu optimal - ich habe übrigens getrocknete Pilze genommen, weil diese ein unglaublich intensives Aroma haben. Aber ihr könnt selbstverständlich auch frische Pilze nehmen. Dieses Mal hat also alles tatsächlich perfekt geklappt. Das Dinkelrisotto schmeckte genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Gerade der salzige Schinken hat den Volkorngeschmack des Dinkels perfekt unterstrichen. Der Lieblingsmensch und ich standen zusammen am Herd und hätten das Risotto am Liebsten an Ort und Stelle vernascht. Ständig ist einer von uns beiden in die Küche gerannt, um noch einmal seinen Löffel zuerst ins Risotto und dann in den Mund zu stecken. Ein Gericht mit großem Suchtpotenzial! Ich bin so begeistert, dass dieses Gericht äußerst gute Chancen hat ein oder sogar DAS neue Lieblingsgericht zu werden. Da sieht man wieder einmal, wie wichtig es ist, ab und zu die eigene Küche zu verlassen und sich neugierig und offen auf Inspirationssuche zu begeben - denn ZACK hat man ein neues Lieblingsgericht.

Dinkelrisotto mit Pilzen

Zutaten
etwas Butter
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
250 g Dinkel
100 ml Weißwein
1-1,5 l Gemüsebrühe
250 g Schinkenwürfel
30 g getrocknete Steinpilze
100 g geriebene Parmesan
1 Bündel gehackte Petersilie

Zubereitung
Zuerst die Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden. Den Knoblauch ebenfalls schälen und ganz klein hacken. Die Pilze in etwas Wasser einweichen. Dann die Zwiebelwürfel und den Knoblauch in etwas Butter glasig braten. Anschließend den Dinkel ein paar Minuten im Topf mitrösten. Mit Weißwein ablöschen. Sobald der Weißwein von den Dinkelkörnern aufgesaugt wurde, etwas Brühe hinzugeben und immer wieder rühren bis die Flüssigkeit fast verschwunden ist. Diesen Vorgang so lange wiederholen bis der Dinkel weich genug ist - er sollte noch bissfest sein, aber eben nicht mehr zu hart. Also immer wieder zwischendurch probieren. 
Parallel zum Rühren könnt ihr schon einmal die Schinkenwürfel in einer Pfanne anbraten. Wenn der Dinkel realtiv weich ist, könnt ihr noch die Pilze zusammen mit dem Pilzwasser in den Topf geben - je nach Wassermenge müsst ihr eventuell noch etwas rühren bis auch dieses Wasser aufgesaugt ist. Jetzt rührt ihr nur noch den Parmesan, die Schinkenwürfel und die gehackte Petersilie unter. Jetzt seid ihr aber endlich fertig und ihr müsst nur noch genießen. :)


Dinkelrisotto mit Pilzen

Dinkelrisotto mit Pilzen

Dinkelrisotto mit Pilzen

Dienstag, 9. September 2014

Vegetarisches Dinkel-Risotto mit Kürbis und Möhren

Wie versprochen gibt es nun endlich ein Rezept für dieses sagenumwobene Dinkel-Risotto, welches mich immer an die Marken in Italien erinnern wird. Denn die Italienreise offenbarte mir unendlich viele kulinarische Highlights und Geschmacksexplosionen, aber die überraschendste Offenbarung war definitiv das Dinkel-Risotto. Erst waren die Augen und die Skepsis riesig, nach dem ersten Bissen war von der Skepsis nicht einmal mehr ein Hauch übrig. Pure Begeisterung! Dafür sorgte natürlich auch die Tatsache, dass das Risotto von einer unheimlich talentierten Köchin gekocht wurde. Ich weiß leider nicht, was für feine Zutaten sie für das Gericht verwendet hat, aber ich weiß noch ganz genau wie himmlisch gut es war. Dinkel-Risotto schmeckt einfach nussiger, volkorniger und vollmundiger als normales Risotto. Man muss es unbedingt probieren! Wer hätte gedacht, dass man so etwas Großartiges aus so unscheinbaren und langweiligen Getreidekörnern herstellen kann. 

Aber leider sind gute Zutaten noch keine Garantie für ein leckeres Gericht. Bei meinem Versuch ein leckeres Dinkel-Risotto mit Kürbis zu zaubern habe ich das Gemüse relativ spät in den Topf geworfen und bis das Gemüse eine genießbare Konsistenz hatte, war der Dinkel etwas verkocht. Sprich alles stand etwas zu lange auf dem Herd, wurde sehr weich und ähnelte eher einem weichem Brei als einem Risotto. Ich habe mich ohne Ende geärgert, aber was will man machen? Missgeschicke passieren. 
Da es aber an sich trotzdem sehr lecker war, habe ich mich dazu entschlossen das Rezept nun doch mit euch zu teilen und hoffe einfach, dass ihr es besser hinbekommt. Tagelang hat es mich gewurmt, dass das Risotto nicht perfekt gelungen ist. Das darf doch einfach nicht wahr sein, da schwärmt man der halben Menschheit vor, wie lecker so ein Risotto ist und dann bleiben die Geschmacksexplosionen aus. Argh! Also wurde kurzerhand erneut zum Dinkel gegriffen und direkt noch ein Risotto gekocht. Aber mit komplett anderen Zutaten. Das entsprechende Rezept gibt es dann am Samstag. Seid gespannt! So viel sei schon einmal gesagt: Es ist tatsächlich perfekt geworden und meine Ehre ist wieder hergestellt. Endlich kann ich wieder beruhigt schlafen. Puh!

Kürbisrisotto

Zutaten für 4-5 Personen
500 g Dinkel
800 g Kürbis
2 Möhren
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
etwas Butter
1 Schuss Weißwein
1,5-2 l Gemüsebrühe
150 g geriebener Parmesan
etwas gehackter Basilikum
ca. 100 g Kürbiskerne

Zubereitung
Zuerst etwas Vorbereitung: Die Zwiebel schälen und würfeln sowie die Knoblauchzehe schälen und fein hacken. Den Kürbis und die Möhren schälen und ebenfalls klein schneiden. 

Kürbis und Möhren

In etwas Butter die Zwiebelwürfel und den Knoblauch glasig andünsten. Anschließend den Dinkel dazugeben und etwas anrösten. Das Ganze mit einem ordentlichen Schuss Weißwein und einem Schuss Brühe ablöschen. Bei mittlerer Hitze köcheln lassen und sobald die Flüssigkeit aufgesaugt ist, wieder etwas Brühe hinzugeben. 

Dinkel anbraten
 
Das einfach immer wieder wiederholen, bis der Dinkel weich gekocht ist aber trotzdem noch bissfest. Zwischendurch immer wieder umrühren. Wenn der Dinkel fast fertig ist, den Kürbis und die Möhren hinzugeben. Das Gemüse sollte noch ungefähr 10-20 Minuten mit dem Dinkel köcheln. Parallel die Kürbiskerne ohne Öl in einer Pfanne rösten. Zum Schluß noch den geriebenen Parmesan unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Basilikum abschmecken. Mit den Kürbiskernen garnieren und genießen.

Kürbisrisotto

Samstag, 30. August 2014

Eine Reise in die Kornkammer Italiens

Die treuen Leser meines Blogs bzw. meiner Social-Media-Kanäle werden sich jetzt vielleicht wundern: Reise in die Kornkammer Italiens? Ist das nicht schon Wochen her? Ja, ihr habt leider Recht, und das Schlimme daran ist, dass diese Reise für mich das Unglaublichste und Schönste war, das ich durch meinen Blog bisher erlebt habe. Ich hätte also bereits am nächsten Tag darüber berichten sollen. Aber das große Problem war, dass ich einfach nicht wusste, wie ich dieses wahnsinnig schöne Erlebnis in die richtigen Worte fassen sollte. Ich wollte, dass dieser Bericht der Reise auch gerecht wird und das war, ist und wird einfach unglaublich schwer. Aber heute muss ich es endlich versuchen, hilft ja alles nichts.

Getreidefeld in den Marken

Die Kornkammer Italiens, tja, wo liegt die überhaupt? Nein, definitiv nicht in der Toskana. Denn viele mögen es kaum glauben, aber es gibt noch jede Menge andere Regionen außer der Toskana in diesem wunderschönen Land namens Italien. Eine davon sind die Marken. Zu Unrecht haben viele Deutsche die Marken nicht als Urlaubsregion auf dem Schirm. Dabei bieten sie so viel. Man kann sich entweder in die Fluten des Mittelmeeres stürzen oder in seine Wanderschuhe schlüpfen, die Hügel und Berge besteigen und die atemberaubende Landschaft genießen. Denn mein Herz haben die Marken durch ihre wilde Art erobert. Man kann sich wirklich nicht satt sehen an dieser wilden Vegetation und der abwechslungsreichen Landschaft. Auf abenteuerlichen Hängen erstrecken sich zwischen großen Felsen, Zypressen und Olivenbäumchen weite Getreidefelder. Zwischen diesen ganzen Getreidefeldern hüfen dann noch Ziegen und Schafe umher, ab und zu sichtet man urige Bauernhöfe und über allem ein strahlend blauer Himmel. 

Die Marken Italiens

Die Marken Italiens

Eines der Highlights sind aber die auf kleinen Bergen thronenden mittelalterlichen Städte mit ihren engen Gässchen und kleinen Innenhöfen, in denen man die Seele baumeln lassen kann und jeden Stress und jede Hektik dieser modernen Welt vergisst. Es ist alles so fantastisch ursprünglich und natürlich. Einfach nur schön. Hach, jetzt wo ich so intensiv an die Zeit zurückdenke, bekomm ich direkt wieder Fernweh. Aber nein, ich muss frierend im kalten Deutschland sitzen. Naja dann schwelge ich jetzt weiter in Erinnerungen...

Urbino

Die Schönheit der Marken und die Liebe brachten vor mehr als 20 Jahren auch Frauke Weissang aus dem Norden Deutschlands nach Mittelitalien. Dort kaufte sie sich ein kleines Paradies mit 20 ha inklusive einem kleinen Landgut. Die Powerfrau sanierte das Gebäude, taufte es auf "Le Cesane", richtete mehrere Ferienwohnungen ein und bereitete das Land für den Bio-Anbau vor. Tschaka! Mittlerweile baut Frauke Getreide, Hülsenfrüchte und Saaten an und lebt in der italienischen Idylle mit ihren geliebten Eseln, Pferden und Katzen. Ich beneide sie ein bisschen und wäre am Liebsten für immer an diesem wunderschönen Ort geblieben. Ein Traum von Haus, eine gigantische Aussicht und eine absolute Stille. Wie gesagt, es ist das reinste Paradies - ihr solltet ernsthaft überlegen, ob ihr euren nächsten Urlaub vielleicht bei Frauke verbringen könnt.

Frauke Weissang

Speisen unter dem Maulbeerbaum

Speisen unter dem Maulbeerbaum

Speisen unter dem Maulbeerbaum

Speisen unter dem Maulbeerbaum

Das Großartige an dieser Frau ist, dass sie uns alle sofort in den Bann zog durch ihre erfrischende und lebendige Art. Sie ist Mitglied der Kooperative "Terra Bio" - das eigentliche Anliegen unserer Reise. Wir wollten diese Kooperative und dessen Bio-Produkte näher kennen lernen und Frauke nahm sich dieser Aufgabe an. "Terra Bio" gehört zur Genossenschaft "Con Marche Bio", welche versucht den biologischen Landbau in den Marken zu fördern. Zur Kooperative "Terra Bio" gehören mehrere Landwirtschaftsbetriebe, die sich zusammengeschlossen haben, um die Erzeugung, Produktion, Lagerung, Vertrieb und Vermarktung der Erzeugnisse an einem Ort zu bündeln und zu koordinieren. Zu den Produkten zählen Bio-Hülsenfrüchte wie Berglinsen, grüne Linsen, Bohnen, Kichererbsen, außerdem Bio-Getreide wie Goldhirse, Dinkel, Couscous und Sonnenblumenkerne. Außerdem werden einige der Rohstoffe mit traditionellen Bronzegussformen zu Pasta weiterverarbeitet. Somit muss nicht wie bei anderen Pasta-Herstellern Hartweizen aus Osteuropa oder den USA importiert werden, sondern es kommt alles aus einer Hand. Die Pasta wird anders als in der industriellen Herstellung langsam und schonenden 24-36 Stunden bei ca. 45°C getrocknet. So entstehen Bio-Hartweizennudeln, Bio-Eiernudeln und Bio-Halbvolkornnudeln mit rauer Oberfläche, an der Sauce besonders gut haftet. 
Das Beeindruckendste war für mich die vollkommene Transparenz vom Saatgut bis zum Endprodukt. Wir schauten uns die Pflanzen auf dem Feld an; erhielten einen Einblick in die Anlieferung, bei welcher direkt die Qualität geprüft wird und eine Probe archiviert wird, damit jeder Zeit jedes Produkt bis zum Bauer zurückverfolgt werden kann; staunten über die riesigen Lagerhallen und die Reinigungs-, Sortierungs- und Trocknungssanlagen und begutachteten zum Schluß noch die Verpackungs- und Etikettierungsanlagen. Alles an einem einzigen Ort. Einfach absoluter Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass hinter all dem "nur" kleine Bauern stehen. Jeder Verarbeitungsschritt wird laufend kontrolliert und registriert. Vorbildlich vom Anfang bis zum Ende. Die Produkte sind nach den strengen Naturland Fair Richtlinien zertifiziert, sprich es sind Bio-Produkte mit fairen Preisen, hergestellt mit fairen Arbeitsbedingungen.

Kichererbsen
Kichererbsen
Anlieferung

Verpackung

In Deutschland gibt es die Bio-Produkte von "Terra Bio" leider noch nicht in jedem Supermarkt, aber theoretisch haben zum Beispiel Rewe, Edeka, Karstadt, Kaufhof und verschiedene Bio-Läden die Produkte im Sortiment. Zur Not müsst ihr einfach einmal nachfragen und die Produkte anfordern. Denn ihr werdet sehen, geschmacklich lohnt es sich auf jeden Fall! Ich spreche da aus Erfahrung. In zwei Spitzenrestaurants - Agriturismo Ca’ Andreana und Agriturismo Il Mulino della Ricavata - konnten wir uns von der Qualität der Produkte überzeugen. So unglaublich viel Essen wurde uns aufgetischt, denn damit wären wir beim einzigen Nachteil dieser Reise - wir konnten nicht so viel essen, wie wir gerne wollten. Denn die Marken sind nicht nur landschaftlich ein Paradies, nein auch kulinarisch ein Paradies!

Zucchiniblüten

Pasta

Kanninchen

Linsensalat
 
Danke für dieses unglaubliche Erlebnis, die großartige Organisation und die tollen Mitreisenden.

Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich mit diesem Bericht dieser Reise nicht gerecht werde. Ihr kennt das sicher, wenn ihr euren Freunden vom letzten Urlaub berichtet, man schafft es nie, dass die Freunde die gleichen Bilder vor Augen haben, wie man selbst. Ich glaube, es hilft alles nichts, ihr müsst selbst in die Marken aufbrechen oder wenigstens leckere Antipasti und Pasta zubereiten und euch so nach Italien träumen. Ein passendes Rezept für Bulgursalat hat Franziska übrigens direkt nach der Reise auf ihrem Blog veröffentlicht und in den nächsten Tagen werde ich mich an einem anderem kulinarischem Highlight, dem Dinkelrisotto, versuchen. Seid gespannt!

PS.: Alle Bilder ohne Wasserzeichen stammen von Thomas Neumann, Terra Bio.

Sonntag, 24. August 2014

Das Wort zum Sonntag

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreibe. Denn was ich mir nun von der Seele schreiben möchte, ist alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen. Ich möchte heute einmal richtig meckern. Etwas, was auf meinem Blog eigentlich nie vorkommt. Das ist einfach so gar nicht "Herzfutter". Mal etwas Kritik bei einem Produkttest oder einem Rezept ist zwar keine Seltenheit, aber ein ganzer Beitrag nur Rumgemeckere? Nein, das habe ich so noch nie getan. Aber keine Sorge, das wird auch weiterhin eine Ausnahme sein.
Trotzdem bin ich in letzter Zeit an so vielen Dingen, was die Lebensmittelindustrie den lieben langen Tag fabriziert, angeeckt, dass ich mir das wirklich im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele schreiben muss. Im Rundfunk, in Magazinen wie dem Greenpeace Magazin oder auch im Internet - überall findet man Lebensmittelskandale und erfährt über "Machenschaften", bei denen man nur noch den Kopf schütteln kann.
Ich bin wirklich alles andere als ein Heiliger, ich esse in der Regel worauf ich Lust habe und greife auch mal zum Convenienceprodukt wie einer Tiefkühlpizza. Wenn ich mir zu viele Regeln vorschreiben würde, was ich nun essen darf und was nicht, würde ich mich einfach nicht mehr so wohlfühlen. Vielleicht eine bescheuerte Einstellung, aber eine Einstellung, die mich nicht unglücklich macht und das ist doch die Hauptsache. Es liegt vermutlich auch an der Tatsache, dass ich jung und Student bin, denn viele Dinge kann ich mir einfach gar nicht leisten, wie mehrmals im Monat Biofleisch zu essen. Denn ich merke auch, dass ich mir von Jahr zu Jahr mehr Gedanken um meinen Einkauf und mein Essen mache. So versuche ich mittlerweile generell weniger Fleisch zu essen und möglichst saisonal und regional einzukaufen. Außerdem landen manche Produkte nur noch mit Biosiegel in meinem Einkaufskorb. Im besten Fall sollte man natürlich bei dem Bauern seines Vertrauens einkaufen, da weiß man dann wenigstens wie die Tiere leben und wo das Gemüse herkommt. Aber um dieses Themenfeld soll es heute gar nicht gehen, sondern um...

Die Rattenfänger der Zuckerindustrie
Quelle: Jan Kornstaedt / Greenpeace Magazin

1. Das große Thema "Zucker"
Warum zur Hölle muss in so vielen Lebensmittel so viel Zucker sein? Ich mein, dass in Ketchup viel Zucker steckt - 11 Stück Würfelzucker in 100 g - weiß man ja eigentlich, aber verdammt noch einmal warum ist das so? Gemüse und Obst aus dem Glas oder der Dose zum Beispiel, da kann 700 g Rotkohl schon einmal 25 Stück Würfelzucker und 450 g Ananas 20 Stück Würfelzucker enthalten. Von wegen gesund! Das alles obwohl Zucker von manchen Wissenschaftler sogar als Gift und als süchtig machende Droge betitelt wird. Übergewicht, Herzkrankheiten, Zuckerkrankheiten selbst Alzheimer können ihre Ursache im Zucker haben. Die Zuckerindustrie will davon natürlich nichts wissen und verweist darauf, dass wir biologisch bedingt Zucker brauchen. Ja, gut, es stimmt, wir lieben Zucker, schon als Baby wollen wir Zucker, denn Zucker bedeutet Energie für den Körper, ist also überlebenswichtig. Ohne Zucker funktionieren weder unsere Organe noch unser Gehirn. Allerdings würde dazu der natürliche Zuckergehalt von zum Beispiel Obst und Gemüse genügen. Diese Unmengen an Zucker, die wir unserem Körper täglich antun, brauchen wir definitiv nicht.
Das weiße Pulver was wir als Zucker kennen, kennt der Körper schon einmal gar nicht und braucht der Körper auch nicht. Erst durch die Industrialiesierung kam das weiße Gold zu uns und hat unser Geschmacksempfinden komplett verändert. Wir schmecken den vielen Zucker gar nicht mehr und würden ihn in vielen Produkten schmerzlich vermissen.
Denn schon als Kind werden wir auf das süße Pulver trainiert. Gerade hier sehe ich den eigentlichen Skandal der Zuckerindustrie. Schlimm genug, dass es überhaupt so viele und immer mehr Kinderprodukte gibt, wie zum Beispiel Bärenwurst, Miniwürste und unendlich viele Süßkram, aber, dass in diesen Lebensmitteln so viel Zucker steckt, ist einfach richtig großer Mist. Überall grinsen uns süße Tiere, Prinzessinen, Monster und Vampire aus den Regalen an. Produkte wie Dickmanns und Kinderbons erwachen zum Leben und grinsen uns mittlerweile ebenfalls fröhlich an. Muss das wirklich sein?
An dieser Stelle auch einmal die Zwischenfrage, warum wird eigentlich so wenig Obst und Gemüse als Kinderprodukt verpackt? Bei meinem Besuch in Amsterdam lernten wir einen Tomatenanbauer kennen, der Cocktailtomaten extra für Kinder in kleine Frühstückdosen und bunte Verpackungen steckt. Als süßer Snack für zwischendurch. Aber gut, das ist wieder ein komplett anderes Thema. 
Ich erinnere mich gern an so manche Kinderlebensmittel wie das Überraschungsei oder den Frufo Kinderquark und eigentlich möchte ich diese Produkte auch nicht missen. Aber ich frage mich, ob diese Freude weniger Zucker im Produkt getrübt hätte? Schließlich ging es gar nicht so sehr um den Geschmack, sondern viel mehr um die Figur darin und die Verpackung. Fielen auch noch diese Dinge weg, wär man dann als Kind so viel unglücklicher?
Aber es ist natürlich schon so, dass je süßer ein Produkt ist, desto genüsslicher wird es von Kindern heruntergeschlungen, während am Volkornbrot eventuell nur herumgenagt wird. Generell kann man dabei natürlich immer sagen, dass die Eltern dafür sorgen müssen, dass nicht so viele ungesunde Kinderprodukte im Einkaufswagen und auf dem Tisch landen. Aber je mehr bunte Kinderlebensmittel es gibt, desto schwerer wird es für die Eltern sich gegen die Wünsche der Kinder durchzusetzen. Nicht umsonst heißt der Bereich bei den Kassen im Supermarkt Quengelzone. Hier muss man zwangsläufig vorbei und nicht selten wirft sich ein Kind schreiend auf den Boden, wenn es kein Ü-Ei bekommt. Außerdem wissen viele Eltern nicht einmal wie ungesund ein Produkt nun wirklich ist und werden durch so manche Bezeichnung in die Irre geführt.
Kinder Choco fresh enthält fast 40 Prozent Zucker, Kinder Maxi Kind fast 35 Prozent Zucker, Kinder Pinguin 33 Prozent Zucker und die Milchschnitte mit angeblich viel gesunder Milch 30 Prozent Zucker und die meisten Frühstücksflocken - auch Bio-Produkte - besitzen oft 25 - 50 Prozent Zucker, um nur ein paar erschreckende Beispiele zu nennen. Man muss sich diese Zahlen wirklich einmal richtig bewusst machen. 50 Prozent Zucker. Die Hälfte des Produktes ist Zucker. Man isst eine halbe Müslischale voll mit Zucker.
Durch diese Masse an Kinderlebensmitteln und somit die Masse an Zucker sind die kleinen Körper der Kinder komplett überlastet und es kann zu erheblichen Schäden kommen. Das kleine Gehirn kann beispielsweise von so viel Zucker nicht mehr optimal funktionieren und die Lernfähigkeit wird drastisch eingeschränkt. Richtig bescheuert sind dann die GDA-Richtwerte auf den Verpackungen, die zu allem Überfluss auch noch die Richtwerte für Erwachsene und nicht für Kinder sind. Weiß man das nicht, könnte man annehmen, dass ein Kind offenbar rund 20 Teelöffel Zucker zu sich nehmen sollte. Und selbst diesen Wert hat man mit wenigen Kinderprodukten schon sehr schnell überschritten. Schreien könnte man da. Es geht hier schließlich um die Gesundheit von Kindern. Kein Wunder also, dass sich seit den Achtziger- und Neunzigerjahren der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland um 50 Prozent erhöht hat.
Da wäre eine gesetzliche Maximalgrenze für Zucker in Lebensmittel eine logische Konsequenz, oder? Aber bei angeblich ungesunden Produkten wird eher der Fettanteil herunter gesetzt und dafür der Zuckeranteil hoch geschraubt. Denn in Low-fat-Produkten ist zwar wenig Fett drin, aber dafür oft übermäßig Zucker, welcher im Körper wieder zu Fett umgewandelt wird. Oder man lässt den Zuckeranteil bestehen, aber schreibt schreibt solche hübschen Dinge wie "mindestens X Prozent Volkornanteil" auf Frühstücksflocken. Gesünder werden die dadurch allerdings nicht wirklich.
Durch starkes Lobbying und die großen Versprechen der Konzerne sich zukünftig zu bessern bleibt die Politik  untätig. Dabei könnte es so einfach sein. Denn was Werbung angeht ist es bereits vom "Deutschen Werberat" geregelt: An Kinder gerichtete Werbung solle keine direkten Aufforderungen zum Kauf oder Konsum enthalten, dem Erlenen einer gesunden Ernährung nicht engegenwirken und Zugaben, Gewinnspiele und Preisausschreiben sollen nicht in einer Weise eingesetzt werden, die die geschäftliche Unerfahrenheit von Kindern ausnutzt. Dummerweise sind diese Verhaltensregeln eben nicht verpflichtend und somit hält sich auch kaum ein Lebensmittelriese daran.

Passend dazu noch ein kleiner Exkurs: Auf Katharinas Blog könnt ihr so einiges darüber lesen, wie es ist ein zuckerfreies Leben zu führen, wie sie dazu gekommen ist und welche Verbesserungen es für ihr Leben gebracht hat.

2. Aromen, Geschmacksverstärker und sonstige Zusätze
Auch hier frage ich mich immer wieder: "Warum?!" Gerade bei Aromen. Denn wie schlecht müssen die Grundzutaten sein, wenn ein Unternehmen Aromen dazugeben muss, damit es gut schmeckt? Das muss man doch schließlich bei seinem Essen zu Hause auch nicht machen, oder? Gerade bei Joghurt nervt es mich tierisch, wenn ich im ersten Moment glaube, dass ich da tatsächlich einen gesunden Erdbeerjoghurt esse und dann sehe, dass da keine Erdbeeren drin sind sondern Aromen und jede Menge Zucker. Aber die Frage nach dem "Warum" ist eigentlich schnell beantwortet, es ist so herrlich billig. 100 kg Joghurt mit Erdbeeraroma schmackhaft zu machen kostet ein paar Cents, echte Erdbeeren würden da schon deutlich mehr kosten. Profit, Profit und noch einmal Profit.
Ich kenne mich nicht so gut aus, was Lebensmittelchemie angeht und so machen mich die ganzen E's mit Zahlen dahinter sowie die ganzen chemischen Begriffe ganz kirre. Man weiß nicht, was da jetzt wirklich drin ist. Aber gesund und lecker kann das doch gar nicht sein. Mittlerweile prangert zwar auf vielen Produkten ganz groß: "Ohne Zusatzstoffe", "Ohne Konservierungsstoffe", "Ohne künstliche Aromen", "Ohne Zucker", "Ohne dies..., ohne das" aber trotzdem werden die Zusatzstoffe dann über andere Stoffe in das Produkt gesteckt wie zum Beispiel Hefeextrakt, im Labor hergestellte Aromen aus natürlichen Stoffen oder statt Zucker wird Glucose, Sacchararose oder Fructose, was aber auch Zucker ist, verwendet.

Hier zum Beispiel dazu das Ergebnis der Verbraucherzentrale:
  • Bei über 90 Prozent der Produkte, die mit dem Label „ohne Geschmacksverstärker“ angeblich auf Geschmacksverstärker wie Glutamat verzichten, werden andere geschmacksverstärkende Zutaten wie Hefeextrakte eingesetzt.
  • Bei über 60 Prozent der Lebensmittel, die mit den Aussagen „ohne Farbstoffe“ oder „ohne künstliche Farbstoffe“ beworben werden, setzen die Hersteller andere färbenden Zutaten wie etwa Rote-Bete-Saft oder Spinat ein.
  • Wird auf dem Etikett mit dem Versprechen „ohne künstliche Aromen“ geworben, kommen bei über 70 Prozent der Produkte andere Aromen zum Einsatz, die rechtlich nicht als künstlich gelten.
  • Slogans wie „Natur pur“ oder „natürlich“ kommen bei 80 % der Tütensuppen vor. In den langen Zutatenlisten sind jedoch stark verarbeitete Stoffe wie Antioxidantien und Aromen enthalten.
Es gibt also auch hier noch einiges zu verbessern um die Transparenz zu erhöhen und Vertrauen zu schaffen. Wie beim Zucker ist auch hier problematisch, dass sich unser Geschmacksempfinden durch diese Zusatzstoffe so verändert, dass wir Essen ohne diese Stoffe in der Regel gar nicht mehr mögen. Durch den Einsatz von Aromen statt Früchten werden Kinderprodukten übrigens nicht unbedingter gesünder - Überraschung! Die Vitamine fehlen und über die gesundheitlichen Risiken dieser Zusatzstoffe weiß man auch nie so wirklich etwas. Positivbeispiel hat die Verbraucherzentrale aber auch festgestellt und diese in einer Liste fesgehalten.

Bis hier und nicht weiter
Es gäbe noch so einige Dinge, die mir auf dem Herzen liegen, wie zum Beispiel der ganze Plastik- und Verpackungsmüll der gefühlt immer mehr wird oder die Zustände in Massentierhaltungen oder die Giftstoffe auf Obst und Gemüse oder oder... Aber zu viel Zucker und Aromen, das waren die beiden Themen, auf die ich in letzter Zeit so oft gestoßen bin, die mich nun schon lange beschäftigen und über die ich nun schreiben musste. Einmal meckern.
Es sind natürlich keine neuen Erkenntnisse, irgendwie weiß das alles auch jeder und durch diesen Eintrag wird sich nichts ändern, aber es tat gut, es mir einfach mal von der Seele zu schreiben. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Jetzt seid ihr dran, ihr dürft jetzt ebenfalls meckern. Über die Lebensmittelindustrie, über Skandale oder auch über diesen Beitrag. Schließlich stelle ich hier immer wieder Firmen vor, die vielleicht auch nicht "perfekt" sind und backe natürlich auch nicht immer die gesundesten Dinge. Aber wie ich schon sagte, ich bin sicherlich kein Heiliger und möchte hier auch niemanden sein, der den Zeigefinger hebt und versucht euch zu belehren.
Denn am Ende sind es einfach nur ein paar Worte in den Weiten des Internets.

Mittwoch, 20. August 2014

Selbstgemachtes Hühnchen süß sauer wie beim Chinesen

"Einmal Hühnchen süß-sauer, bitte!" Ich wette, diesen Satz habt ihr schon alle einmal gesagt, denn was ist auf der chinesischen Speisekarte bitte bekannter und beliebter als die gute, alte "süß-sauer-Sauce"? Auch wenn das Reich der Mitte kulinarisch natürlich deutlich mehr zu bieten hat, bin ich bereits früh dieser Sauce verfallen. Es löst vielleicht keine Geschmacksexplosion aus, ist vermutlich kein Highlight in der Welt des guten Geschmackes, gesund ist es schon einmal gar nicht und ich bin mir nicht einmal sicher, ob es wirklich aus China kommt, aber es ist und bleibt verdammt lecker. Mit diesem Gericht ist man immer auf der sicheren Seite, da weiß man, was man bekommt und es schmeckt eigentlich immer. Egal ob zu Hühnchen, Ente, Schwein, Rind, Scampi, Fisch, Tofu, Frühlingsrolle oder, oder, oder...
Ich erinnere mich noch gut daran, als meine Mutter einen chinesischen Kochkurs belegte und es über Wochen nur noch Chinesisch gab - das kam mir zumindest damals so vor. Aber ich kleiner Knirps habe immer ganz fasziniert der Frau Mama beim Schnippeln dieser ganzen komischen Zutaten zugeschaut. Wasserkastanien, Bambus, Sojasprossen? Das soll man essen können? Dann noch diese komische Pfanne namens Wok. Sehr merkwürdig alles! Überraschenderweise hat es dann aber doch immer total lecker geschmeckt, auch wenn manche Zutaten ganz entschieden vom Teller verbannt wurden wie dieses Glibberzeug names Morchel. So wurde mir also quasi die Leidenschaft für chinesisches Essen in die Wiege gelegt. Mittlerweile habe ich nicht nur ein halbes Jahr die chinesische Sprache gelernt, sondern stehe selber in der Küche und schnippel exotische Zutaten. Ich liebe die chinesische und asiatische Küche, sie ist so wunderbar exotisch, leicht und gesund - wenn man einmal ausblendet, dass Chinesen gerne alles in die Friteuse hauen.
Aber auf die Idee so etwas Triviales und fast schon Gewöhnliches wie "Hühnchen süß-sauer" zu machen, wäre ich nie gekommen. Doch nachdem eine Freundin ganz begeistert erzählte, wie einfach "Hühnchen süß-sauer" zuzubereiten ist, war ich Feuer und Flamme und musste es sofort selbst ausprobieren. Siehe da, es geht tatsächlich total fix und schmeckt so lecker wie beim Chinesen. Zum Reinlegen! Und jetzt seid ihr dran, probiert es aus!

Hühnchen süß sauer

Zutaten für 4 Personen
300 g Hühnchen
3 Paprika (rot, gelb, grün)
400 g frische Champignons
175 g Mungobohnenkeimlinge (beim Glas siehe Abtropfgewicht)
340 g Ananasstücke (bei der Dose siehe Abtropfgewicht)
250 g Basmati- + Wildreis
4 EL Sojasauce
7 TL Zucker
3 TL Essig
4 EL Ketchup
Salz 
Pfeffer
etwas Stärke zum Binden der Sauce
Speiseöl zum Anbraten

Zubereitung
Zuerst das Gemüse waschen, von allem nicht Essbarem befreien und sehr  klein schnippeln. Das Fleisch ebenfalls klein schneiden, mit 1 EL Sojasauce bepinseln und etwas salzen. Das Fleisch in etwas Öl in einer großen Pfanne oder einem Wok von beiden Seiten anbraten und anschließend pfeffern. Jetzt das Fleisch aus der Pfanne nehmen und dafür das Gemüse, also Paprika, Champignons und Mungobohnenkeimlinge hineinwerfen. Während das Gemüse brutzelt könnt ihr bereits den Reis kochen. Außerdem solltet ihr nun aus 3 EL Sojasauce, 7 TL Zucker, 3 TL Essig und 4 EL Ketchup eine Sauce anrühren. Diese Sauce kommt zusammen mit der Ananas zum Gemüse. Das Gemüse sollte nicht mehr roh sein, aber trotzdem noch schön knackig. Wenn euch die Sauce zu dünn ist könnt ihr etwas Stärke mit Wasser vermischen, unterrühren und einmal aufkochen. Zum Schluß nur noch das Fleisch wieder in die Pfanne geben und mit Salz und Pfeffer gut abschmecken. Zusammen anrichten und genießen. 
Natürlich könnt ihr auch anderes/ gar kein Fleisch oder Gemüse nehmen oder ihr füllt die Sauce in kleine Gläschen ab und verschenkt sie. Variiert das Rezept ganz nach eurem Geschmack. Auf jeden Fall wünsche ich guten Appetit!

Hühnchen süß sauer

Hühnchen süß sauer

Hühnchen süß sauer