Mittwoch, 26. Juli 2017

Zu Gast bei Familie Van der Valk

Kennt ihr das? Ganz automatisch sortiert das Gehirn die Umgebung. Ein Blick genügt und die passende Schublade öffnet sich. Egal, ob der fluchende Nachbar, die lächelnde Kassiererin oder der ältere Herr an der Ampel – sie alle wandern ganz automatisch in eine Schublade. Peng! Die Schublade knallt zu und die Person bleibt darin eingeschlossen. Dabei würde ich mich eigentlich alles andere als oberflächlich bezeichnen. Naja, dem klassischen Schubladendenken verfalle ich trotzdem immer wieder. Peng! Auf und zu!
Mir passiert dies aber nicht nur bei Personen, sondern auch bei Objekten oder sogar Gebäuden. Ihr wollt ein Beispiel? Neulich flatterte eine Mail in mein Postfach: Das Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg wollte mich zu einem Testwochenende in ihr Hotel einladen! Klang auf den ersten Blick super! Auf die Website geklickt und schon sauste mir eine große Schublade mit der Aufschrift "Hässlicher Hotelkasten aus den 90ern" entgegen. 

Das Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg

Kaum gedacht, knallt die Schublade auch schon wieder zu. Beinahe gleichzeitig schließt sich das Websitefenster und das Mailprogramm öffnet sich: "Vielen Dank für Ihre Anfrage, aber...!" Moment, Moment! Glücklicherweise bleiben bei mir weder Menschen noch Hotels lange in ihren Schubladen. Ich beobachte, stelle Fragen und schaue unter die Oberfläche – eh man sich versieht steht ein ganz neuer Mensch bzw. in diesem Fall ein ganz neues Hotel vor einem.
Irgendwie ist das doch auch mein Job als Blogger, oder? Hintergrundgeschichten erforschen, Unternehmen transparent machen und alles in Frage stellen. Der zweite Blick lohnt sich schließlich immer! Also anstatt eine Absage zu schreiben, packte ich lieber meine Koffer, setzte mich zusammen mit dem Lieblingsmenschen ins Auto und düste zum besagten Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg.

Test: Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg

Vom Ausflugslokal zum Hotelkonzern

Vor mehr als 70 Jahren als kleines Ausflugslokal in einem kleinen holländischen Ort namens Voorschoten gegründet, gehören mittlerweile fast 100 Hotels, Restaurants und Zulieferer zum Van der Valk Konzern – alle Geschäfte werden dabei aber bis heute von Familienmitgliedern geführt. Eines dieser Hotels liegt praktischerweise in der Nähe von Berlin, ganz nah an der Autobahn und doch ganz idyllisch in der Natur. Es ist quasi ein kleines Stück heile Welt am Rand der Großstadt.
Viele Minuten vor unserer Ankunft begrüßte uns bereits das bekannte "Wappentier" des Unternehmens: Das riesige Tukan auf dem Dach des Hotels schaute neugierig in unsere Richtung. Dank der mehr als 400 Parkplätze war die Parkplatzsuche kein besonders großes Problem und wir konnten schnurstracks die Rezeption ansteuern.

Außenanlage des Van der Valk Hotels in Berlin

Willkommen bei den Van der Valks

Wenn ihr mögt, könnt ihr uns übrigens via virtuellen Rundgang oder dieses Imagevideos zu den einzelnen Stationen im Hotel begleiten. Vielleicht denkt ihr dann auch im ersten Moment, dass das Interieur zwar nicht unbedingt dem modernen Designhimmel entsprungen ist, aber trotzdem sehr geschmackvoll ausgesucht wurde und einen gewissen Charme vermittelt.
Vielleicht dachten wir dies aber auch, da die Mitarbeiter dieses Hotels so unglaublich charmant sind. Von der Empfangsdame über das Zimmermädchen bis hin zum Servicepersonal – hier ist wirklich jeder wahnsinnig freundlich und gut gelaunt. Wie ein roter Faden zieht sich diese Herzlichkeit durch jede Ecke des Hotels. Jetzt könnte man vielleicht denken, dass nur wir als "Hoteltester" so herzlich und freundlich behandelt wurden, aber nein, das Personal war zu allen Gästen freundlich, machte Scherze und wirkte so, als ob es rundum glücklich in seinem Job wäre. Ehrlich gesagt habe ich solch eine gute Stimmung bisher nur in wenigen Restaurants oder Hotels erlebt.

Van der Valk: Restaurant und Ambiente

Nach dem Einchecken ging es direkt aufs Zimmer: 

Warmes Karamellbraun in Kombination mit einem satten Himmelblau. Gefiel uns! Zahlreiche Ablageflächen, Klimaanlage, Bad mit Wanne und Dusche, großes Bett, bequeme Sessel, Schreibtisch und Balkon, und das alles ausgesprochen sauber – was will man mehr? Übrigens sind wir erst spätabends im Hotel angekommen und daher ist das Bild vom Hotelzimmer auch erst am zweiten Tag entstanden, am Einzugstag waren die Bezüge des Betts natürlich komplett knitterfrei.

Die Standardzimmer im Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg

Das Atriumrestaurant im Van der Valk Hotel

Nach dem Schlaf ist vor dem Frühstück 

Das Ambiente des Atrium-Restaurants ist für mich eines der großen Highlights des Hotels. Unter einem großen Glasdach wird jeden Morgen das große Frühstücksbuffet aufgebaut, umringt von runden Tischen und den vier abgehenden Flügeln, in denen sich die Hotelzimmer auf fünf Etagen inklusive EG verteilen. Das Atrium ist sozusagen das Herz des ganzen Komplexes. Natürlich kann man sein Frühstück auch im angrenzenden Wintergarten oder im großen Restaurant genießen.
So oder so, das Buffet lässt keine Wünsche offen: Bacon, Würstchen, Baked Beans, Rührei, Champignons, Tomatengratin, verschiedene Wurstsorten aus der Region, große Käseauswahl, Pancakes, frisch aufgeschnittenes Obst, Obstsalat, diverse Cornflakessorten, Croissants, Körnerbrötchen, verschiedene Säfte, Sekt, Tee, Kaffee und sogar Honig vom eigenen Imker... Eben alles, was das Herz begehrt und noch ganz viel mehr. Regelmäßig werden die Stationen aufgefüllt oder durch frisch zubereitete Speisen ersetzt und bevor das Buffet abgeräumt wird, wird jeder Gast noch einmal lächelnd gefragt, ob man ihm noch etwas bringen dürfe. Am Sonntag gibt es dazu dann noch etwas Live-Musik. Fantastisches Essen, fantastischer Service und fantastisches Ambiente! Ja, einfach nur rundum fantastisch!

Frühstücksbuffet im Van der Valk Hotel

Frisch aufgeschnitten: Regelmäßig wird das Frühstücksbuffet wieder aufgefüllt

Frühstück im Van der Valk Hotel in Berlin

Pancakes zum Frühstück im Van der Valk Hotel

Hochwertige Zutaten und Gerichte im Van der Valk Hotel

Ein Highlight kommt selten allein 

Neben dem hervorragenden Frühstücksbuffet ist auch der hoteleigene Park ein kleiner Höhepunkt. Liebevoll wurden hier Teiche angelegt, mehrere Terrassen, ein Spielplatz, ein Tennisplatz, ein Feuerplatz und ein Beet, in dem die Köche des Hotels eigenes Gemüse sowie eigene Kräuter anpflanzen und sogar Bienen züchten. In dieser Kulisse schmeckte das Zitronensorbet mit Mango, Orange und Wodka gleich doppelt so gut.
Wer seine Zeit dann doch lieber innerhalb des Hotelgebäudes verbringen möchte, kann in den kleinen Pool springen, sich in eine der vielen Loungebereiche setzen, in die Sauna gehen, ein paar Kalorien im Fitnessstudio verlieren oder sich im Wellnessbereich durchkneten lassen. Für die Kinder gibt es dann noch ein großes Spielzimmer, in dem sie sich rund um die Uhr austoben können.

Großes und günstiges Hotel in Berlin: Das Van der Valk Hotel

Selbst angepflanztes Gemüse für das Van der Valk Hotel

Eis im hoteleigenen Park des Van der Valk Hotels genießen

Modernes Design im Van der Valk Hotel: Nach und nach wird alles renoviert

Pool in der Van der Valk Hotelanlage in Berlin

Aber kommen wir wieder zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Essen 

Werft dazu gerne einmal einen Blick in die Speisekarte mit den internationalen Spezialitäten der modernen und traditionellen Küche. Die Karte des Hotelrestaurants ist ehrlich gesagt sehr überschaubar, lässt aber darauf schließen, dass hier viel frisch zubereitet wird – zumindest schmeckt es so. Der Lachs war ein Traum, die Ochsenbäckchen unglaublich zart und auch das Mille Feuille war sowohl optisch als auch geschmacklich ein Kunstwerk. Allerdings waren wir von den Muscheln nicht so begeistert, diese waren leider einfach zu fad. Kaum hatten wir dies aber dem Kellner gebeichtet, wurde uns angeboten das Gericht auszutauschen oder noch mehr Sauce zu holen – und so schnell konnte uns das fröhliche Personal wieder glücklich  machen.
Auch in der Havanna-Bar wird darauf großen Wert gelegt. Ja, schon wieder ein Highlight! Wo findet man schon so eine tolle Holzbar mit so viel Charme? Die frisch gemixten Cocktails schmecken aber natürlich auch an der lauen Abendluft auf der Terrasse. Der perfekte Abschluss eines Tages!

Rindercapaccio im Berliner Hotel

Ochsenbäckchen im Van der Valk Hotel

Dessertvariationen im Van der Valk Hotel Berlin

Die Havanna-Bar im Van der Valk Hotel

Frische Cocktails aus der Havanna-Bar in Berlin

Den Kochlöffel schwingen und vom Küchenchef persönlich lernen

Das letzte Highlight, von dem ich euch nun unbedingt noch berichten muss, sind die Kochkurse, die ca. achtmal im Jahr in der großen Kongressküche stattfinden. Ich hätte ja niemals gedacht, dass so viel Liebe und Mühe in einen Kochkurs gesteckt werden kann. Passend zum Thema "Spargel... mal anders" wurden Spargelfelder im Kongresscenter aufgeschüttet, ein kleiner Traktor hereingefahren, Bierbänke aufgebaut und Heuballen aufgestellt. Anhand der künstlich angelegten Spargelfelder zeigte uns Küchenchef Enrico Martin dann wie Spargel gestochen wird, was bei der Anzucht alles beachtet werden sollte und natürlich wie er richtig geschält wird. Mit diesem Wissen im Gepäck teilten wir uns in mehrere Gruppen auf und bereiteten unter Anleitung des Küchenteams ein Spargelmenü der Extraklasse zu: Spargelstangen in Blätterteig, knuspriges Spargelbrot, Spargel-Hühnchen Charlottine auf Kräutersalat, Spargel-Kokosnuss-Suppe mit Lachsküchlein, bunte Spargelquiche, sautierte Rinderspitzen auf weißem Spargel und als Dessert karamellisierter Spargel mit Gin-Sorbet.
Kreativ, köstlich und doch so einfach. Die ein oder andere Idee musste ich dann zu Hause direkt noch einmal nachmachen. Insbesondere der Spargel im Blätterteig hatte es mir angetan: Der Perfekte Sommersnack. Während des Kochkurses wurden wir von einem Serviceteam ununterbrochen mit Getränken versorgt: Von Sekt, Wein und Bier bis hin zu Kaffee, Tee und Softgetränken wurde jeder Wunsch erfüllt. Dazu gab es als kleine Stärkung zwischendurch so viel Eis, wie wir essen konnten. Kein Wunder also, dass wir am Ende des Tages glücklich und zufrieden mit reichlich Wissen im Kopf und köstlichem Essen im Bauch aus dem Hotel kullerten.

Spargel-Kochkurs im Van der Valk Hotel

Wie schält man Spargel richtig? Kochkurs in Berlin

Frische Spargeltarte beim Kochkurs im Van der Valk Hotel

Kochkurs mit Küchenchef Enrico Martin

Einer von vielen Gängen beim Spargelkochkurs

Küchenchef im Van der Valk Hotel: Enrico Martin

Ein Hotel für jeden Anlass

Zusammenfassend würde ich nun sagen, dass das Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg überraschend vielfältig und familiär ist. Auf den ersten Blick erscheint es wie ein anonymes und typisches Kongresshotel, aber auf den zweiten Blick ist es ein unglaublich offenes, herzliches und persönliches Hotel mit ganz viel Liebe zum Detail. Liebevolle Kinderbetreuung, außergewöhnliche Kochkurse, hoteleigener Park, beeindruckende Hotelgeschichte und mit mehr als 260 Zimmern genügend Platz für die ganze Familie oder das ganze Unternehmen.
Egal, ob der Familienbrunch am Sonntag, der runde Geburtstag mit bis zu 500 Gästen, die Firmenfeier im Kongresscenter mit bis zu 1500 Personen, der Städtetrip nach Berlin oder das genussvolle Wellnesswochenende zu zweit: Hier wird einfach jeder fündig und – da bin ich mir sicher – auch glücklich.

Um die Transparenz auf meinem Blog und damit auch meine persönliche Authentizität zu wahren, möchte ich euch mitteilen, dass dieses Hotelwochenende vom "Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg" organisiert und unterstützt wurde. Das heißt allerdings nicht, dass dieser Beitrag nicht meiner Meinung entspricht. Er ist genauso ehrlich gemeint, wie jeder andere Beitrag auf meinem Blog auch.  

Sonntag, 16. Juli 2017

Mandarinen-Quark-Streusel-Schnitten mit Raffaellos

Mein Kalender versucht mich seit Wochen davon zu überzeugen, dass der Sommer begonnen hat. Jedes Mal aber, wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich plitsch und platsch große Regentropfen an meinem Gesicht vorbeisausen. Ich bin also inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass mein Kalender lügt. Das muss einfach so sein. Ich meine, in Berlin hat es neulich sogar so sehr geschüttet, dass unser Keller voll gelaufen ist und wir mit Lappen und Eimern bewaffnet das Wasser herausschöpfen mussten. Hat sich nicht unbedingt wie Hochsommer angefühlt. Vielleicht wie Herbst oder Frühling. Definitiv aber nicht wie Sommer.

Mandarinen-Quark-Streusel-Schnitten mit Raffaellos

Naja, im Grunde ist es ja das ganze Jahr über so. Im Winter kaum Schnee, im Herbst dafür Hitze pur und der Frühling macht eh was er will. Vielleicht muss ich meine gelernten Erfahrungen bzgl. des Wetters einfach komplett überdenken. Diese Idee mit den Jahreszeiten ist vermutlich einfach überholt. Ab sofort gibt es für mich also einfach nur noch gutes und schlechtes Wetter, wobei meine Mutter ja schon immer gesagt hat, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur falsche Kleidung! Insofern gibt es ab sofort nur noch gutes Wetter. Also packe ich im Sommer jeden Tag meinen Regenschirm ein und tanze durch das graue Berlin. Im Herbst suche ich die Picknickdecke heraus und bete gemeinsam mit Freunden die Sonne an. Und im Winter laufe ich ohne auch nur ansatzweise zu frieren über den Weihnachtsmarkt. Klingt doch eigentlich gar nicht so schlecht, oder?
Für genau diese "jahreszeitenbefreite" Zeit habe ich einen Kuchen kreiert, der das ganze Jahr hindurch bei jeder Temperatur und jedem Wetter schmeckt. Ein Kuchen für alle Fälle sozusagen. Schnell gemacht, schnell verpackt und schnell verputzt – der ideale Kuchen für das Picknick im Park, für die Weihnachtsfeier in der Heimat oder einfach den nächsten Sonntag.
Die cremige Quarkcreme des Blechkuchens erinnert an eine leichte Frühlingsbrise, die erfrischenden Mandarinen schmecken in Kombination mit den Raffaellos nach Sommerurlaub, die crunchy Nussstreusel holen den Herbst ins Haus und der Zimt lässt zusammen mit dem Orangenabrieb vom Weihnachtsfest träumen. Seht ihr? Es gibt wirklich kein schlechtes Wetter, höchstens falschen Kuchen!


Mandarinen-Quark-Streusel-Schnitten mit Raffaellos


Zutaten


Teig
450 g Mehl
200 g gemahlene Haselnüsse
4 TL Backpulver
200 g Zucker
1/2 TL Zimt (in der Weihnachtszeit ruhig 4 TL Zimt verwenden)
1 Pck. Vanillezucker
250 g Butter
2 Eier
Orangenabrieb

Füllung
1 Pck. Vanillepuddingpulver
500 ml Vollmilch
2 EL Zucker
750 g Magerquark
250 g Mascarpone
1 Ei
200 g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
230 g Raffaellos
3 Dosen Mandarinen á 175 g Abtropfgewicht

Zubereitung

Im ersten Schritt Mehl, gemahlene Haselnüsse, Backpulver, Zucker, Zimt und Vanillezucker vermischen. Die Butter zerlassen, nach und nach unterkneten. Nun die beiden Eier mit der Masse verkneten. Ist der Teig zu weich, noch etwas Mehl hinzugeben, ist der Teig zu krümelig, noch ein bisschen Milch hinzugeben. Es sollten schön große Streusel entstehen. Zum Schluss noch Abrieb von einer Orange unterkneten. 2/3 des Teiges auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech ausrollen. 
Für die Füllung 2 EL Zucker mit 2 EL der 500 ml Milch und dem Vanillepuddingpulver verrühren. Die restliche Milch aufkochen lassen, vom Herd nehmen, das Zuckergemisch mit einem Schneebesen unterrühren und noch einmal aufkochen lassen. Nun Quark, Mascarpone, Ei, Zucker und Vanillezucker mit dem fertigen Pudding verrühren. Die Raffaellos klein hacken und zusammen mit den abgetropften Mandarinen unterheben. Den Backofen auf 180°C Ober-/ Unterhitze vorheizen und die Masse gleichmäßig auf dem ausgerollten Teig verteilen. Die restlichen Teigkrümel darüber streuen und den Kuchen für ca. 1 Stunde auf der mittleren Schiene so lange backen, bis die Creme fest geworden ist. 
Herausnehmen, abkühlen lassen und dann genießen. Guten Appetit!

Mandarinen-Quark-Streusel-Schnitten mit Raffaellos

Donnerstag, 29. Juni 2017

Auf der Spur des norwegischen Lachses

Das wunderschöne Bergen

Warme Zimtschnecken, süßer Karamellkäse und frischer Lachs – ja, es gibt wirklich viele köstliche Gründe, um sich auf eine Reise nach Norwegen zu begeben. Die perfekte Voraussetzung also, um ein paar Foodblogger zusammenzutrommeln und sich auf die Spur des norwegischen Lachses (und weiterer Köstlichkeiten) zu begeben, oder? Das dachten sich auch das Norwegian Seafood Council und die Gottfried Friedrichs Feinfisch-Manufaktur und lud Nic von luzia pimpinella, Claudia von Dinner um Acht, Tina von Tinas Tausendschön, Kerstin von Cooking Affair, Denise von Foodlovin‘, Dirk vom Gourmet Blog, Carina von den Foodistas sowie meine Wenigkeit in das wunderschöne Städtchen Bergen in Norwegen ein. 

Der wunderschöne Hafen von Bergen

Die kleine "Reisegruppe" bei der Aquakultur

Wie sollte ich bei so einer „lachstastischen“ Einladung auch nein sagen? Schließlich sind der Lachs und ich ganz dicke Freunde. Mittlerweile zähle ich mich ja schon nicht mehr nur zu den Lachs-Freunden, sondern auch zu den Lachs-Profis. Ich meine, da ging es zuerst nach Alaska, dann zur Friedrichs-Manufaktur, nun nach Norwegen und zwischendurch zu vielen privaten Kochsessions, bei denen der Lachs und ich uns näher kamen – da wird man ganz automatisch zum besten Freund des Lachses. 
Während ich mich in Alaska allerdings in den Wildlachs verliebte, ließ in Norwegen der Zuchtlachs mein Herz höher schlagen. Naja, ehrlich gesagt verführte der Zuchtlachs nicht nur mich, auch die Norweger sind ihm Hals über Kopf verfallen. Diese Menschen lieben ihr Land, ihr Meer und ihren Lachs über alles. Das merkt man an jeder Ecke und in jedem Gespräch. Über jedem zweiten Haus weht die Norwegen-Fahne und alle erzählen voller Stolz von ihrer Nation und „ihrem“ Lachs. Aber ganz ehrlich? Wen wundert es? Die ganze Welt liebt norwegischen Lachs. Vom Sushi in Japan bis zum Lachssteak in Deutschland. Ein Deutscher verputzt aber trotzdem jährlich nur 1,7 Kilo Lachs und ein durchschnittlicher Norweger ganze 8,2 Kilo – und das, obwohl der Lachs der beliebteste Fisch in Deutschland ist. Beeindruckend, oder? Strengt euch also an und esst mehr Lachs, damit wir die Norweger irgendwann einholen!

Mit dem Boot zu den Aquakulturen

Das offene Meer - einfach nur schön

Das Meer und seine Bewohner sind einfach schon immer ein wichtiger Teil des dortigen Lebens gewesen und tatsächlich hat kein anderes Land eine so lange Erfahrung mit der Lachszucht wie Norwegen. Es ist sogar so, dass die Fischzucht in Aquakulturen hier erfunden wurde: Die kalten, klaren Gewässer der unzähligen Fjorde des Landes bieten eben die idealen Voraussetzungen für die Aufzucht von Fischen. 
Fangen wir aber einmal ganz vorne an. Bevor der Lachs nämlich auf unserem Teller landen kann, müssen ganz viele Eier ausgebrütet werden. Das muss zwar weder ein Lachs noch ein Mensch machen, es ist aber trotzdem ein entscheidendes Ereignis bei der Lachszucht. 
Wie so vieles in Norwegen, ist übrigens auch die Aufzuchtstation, von der ich euch jetzt berichten möchte, nur per Boot erreichbar. Da düsten wir also über das offene Meer und schwupps, legten wir in einer traumhaften Bucht an. Wie auf einer Postkarte – wobei ich das über sehr, sehr vielen Orten in Norwegen sagen könnte – standen die bunten Häuschen auf einem Hügel verteilt. Hier und da eine Norwegen-Flagge und das Bild war einfach nur perfekt. Eben typisch für diese Gegend und eben traumhaft schön! 

Wie auf einer Postkarte - die schönste Seite von Norwegen

Genau in dieser Idylle werden Lachs und andere Fischarten gezüchtet. In einem Inkubator wird der Fischrogen in Süßwasser befruchtet. Nach 60 Tagen schlüpfen dann winzige Fischleins. Schon ein bisschen niedlich, so ein Mini-Fisch! Vier bis sechs Wochen schwimmen die Brütlinge in den Brutkästen umher und ernähren sich von einem sogenannten Dottersack. 

Aufzuchtstation der Lachse

Kleine Lachsbabys

Aufzuchtbecken für die kleinen Lachse

Immer im Kreis herum - Lachse im Aufzuchtbecken

Erst danach werden sie in große, runde Fischtanks umgesiedelt. Dort werden sie dann regelmäßig gefüttert, damit sie groß und stark werden und ins offene Meer dürfen. Bis der Lachs 1 kg zulegt, muss er übrigens 1,15 kg Futter fressen. Andere Tiere müssen da deutlich mehr fressen, bis sie 1 kg mehr auf den Rippen haben. 
Nach 10-16 Monaten sind die Lachse dann endlich groß genug, um sich auf die Reise zu den Gehegen im Meer zu machen. Wir mussten nicht ganz so lange warten und stiegen direkt nach der Aufzuchtstation an Board, um uns auf den Weg zu den Aquakulturen zu machen! 
Was soll ich sagen? Schon wieder so ein fotogener Ort! Wie sollte es aber auch anders sein? Inmitten eines weitläufigen Fjords, umringt von wunderschönen Bergen, Hügeln und Gletschern liegen die runden Gehege seelenruhig im Wasser. 

Aquakulturen in Norwegen

Gerade einmal 0,5 Prozent des norwegischen Meeres nutzt das Land übrigens für die Lachszucht, damit die Natur das Eingreifen des Menschen möglichst unbeschadet übersteht. Natürlich hat der Lachs trotzdem genügend Platz zum Aufwachsen: 200 Meter breite und 40 Meter tiefe Netze werden im Meeresboden verankert, in denen der Fisch dann seine Kreise drehen kann. Damit es darin auch garantiert nicht zu eng wird, dürfen maximal 200.000 Fische in einer Anlage gehalten werden. Dies entspricht einem Anteil von maximal 2,5 Prozent bei 97,5 Prozent Wasser. 
Natürlich birgt die Aufzucht inmitten der Natur trotzdem einige Gefahren. Gefahren für die Umwelt und Gefahren für den Lachs. Ein Problem sind z.B. entwischte Lachse. Haut ein Zuchtlachs ab, kann er sich mit den Lachsen aus Wildbeständen vermischen – welchen Einfluss dies auf die Lachspopulation hat, ist zwar noch nicht erforscht, sollte aber dennoch vermieden werden. Die Fischindustrie setzt daher z.B. Unterwasserkameras ein, um die Anzahl der entweichenden Fische zu minimieren. 

Auf der Suche nach dem Lachs

Ein weiteres Beispiel: Damit die Umwelt nicht belastet wird und sich der Meeresboden regenerieren kann, dürfen Anlagen nur dort erbaut werden, wo es auch eine hohe Meeresströmung gibt. Hinzu kommt, dass nachdem der komplette Fischbestand aus einem Gehege entnommen wurde, die Anlagen drei Monate lang nicht mit Jungfischen besiedelt werden dürfen. Selbstverständlich wird darüber hinaus auch die Wasserqualität regelmäßig kontrolliert. Dank solcher vorbildlicher Maßnahmen kann garantiert werden, dass sowohl Fisch als auch Umwelt keine Schäden erleiden. 
An der Zuchtanlage wurden wir bereits von einigen Männern in neongelber Uniform erwartet und zeigten uns stolz ihr kleines Reich. Sobald sie Futter ins Wasser warfen, geriet alles in Bewegung. Das Wasser schäumte. Die Fische schwammen zur Wasseroberfläche und sprangen teilweise sogar aus dem Wasser heraus. Unglaublich, wie viel Kraft diese Tiere haben. 

Fütterung der Fische

Weitere 14-22 Monate leben die Lachse hier, nehmen an Gewicht zu und schwimmen genau wie in der freien Wildbahn als großer Schwarm im Gehege umher. So lange, bis sie schließlich zur Schlachtung abgeholt werden. Ja, dieser letzte Schritt gehört natürlich auch dazu. Schiffe holen die Lachse ab und bringen sie zu den Schlachtanlagen, wo sie dann erst einmal in Ruhebecken kommen. 

Ruhebecken bevor die Lachse geschlachtet werden

Die Lachse werden an die Wasseroberfläche geholt

Generell läuft alles möglichst behutsam ab, damit der Fisch keinen Stress erleiden muss. Dies wäre weder für das Wohlbefinden des Fisches gut, noch für die Fleischqualität. Erst kurz vor der Schlachtung holen Netze den Lachs an die Wasseroberfläche. Da kommt dann auch richtig Bewegung ins Wasser! 
Über ein Rohr werden sie dann ins Innere des Gebäudes geleitet. Die Lachse schwimmen hier gegen einen starken Strom an, kommen schließlich in der Anlage an und werden dort sofort betäubt sowie getötet. Anschließend werden sie auch schon ausgenommen, gewaschen, auf Eis gelegt und dann direkt an Fischhändler auf der ganzen Welt versendet. Drei Stunden nachdem die Fische aus dem Wasser kommen, sind sie also bereits auf dem Weg nach Deutschland. Frischer geht es ja eigentlich nicht, oder?

Schlachthaus für Lachse

Die Lachse werden hier direkt auf Eis gelegt

Damit dabei die Gesundheit und Qualität der Fische gesichert ist, kontrolliert das Staatliche Institut für Ernährungs- und Seafood-Forschung (NIFES) regelmäßig das Fischfutter sowie den Lachs selbst. Aufgrund der schonenden Aufzucht können die Zuchtfarmen sogar größtenteils auf Antibiotika verzichten und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Untersuchungsergebnisse des Institus seit 10 Jahren nahezu "perfekt" sind: Noch nie wurden verbotene Stoffe gefunden, die Dioxin- und PCB-Werte liegen sogar unter denen von Wildlachsen, seit 20 Jahren konnten in keinem Fisch Antibiotika nachgewiesen werden und auch der Wert für das Antioxidans Ethoxyquin ist bei ausgewachsenen Lachsen äußerst gering.

Jeder Lachs wird sorgfältig kontrolliert

NIFES - Strenge Kontrollen beim norwegischen Lachs

Also „Lachs gut, alles gut?“
Naja, kommen wir noch kurz zu meinem Geschmacksfazit. Fakt ist, dass der gezüchtete Lachs aus Norwegen sehr viel fetter ist als der Wildlachs aus Alaska. Darum kann man ihn auch so hervorragend braten und heiß räuchern – das Fett zerschmilzt dann quasi auf der Zunge. Köstlich! Ja, dafür ist norwegischer Lachs wirklich grandios. 
Bei kalt geräuchertem Lachs, wie z.B. dem Graved Lachs, bevorzuge ich persönlich trotzdem Wildlachs. Ich finde, er schmeckt viel intensiver nach Lachs und die festere Konsistenz des Fleisches ist mir auch lieber. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, aber sollte es euch so wie mir gehen, solltet ihr euch trotzdem bewusst machen, dass wir uns nicht nur von Wildlachs ernähren können. Ich meine, wie soll das funktionieren? 
Lachs ist – wie bereits gesagt – der beliebteste und meist verzehrteste Fisch in Deutschland. Diese hohe Nachfrage kann logischerweise nur der Lachs aus Aquakultur bedienen. Er ist im Gegensatz zu Wildlachs keinen saisonalen Bedingungen ausgesetzt, demnach immer verfügbar und kann das ganze Jahr über in einer gleichbleibend hoher Qualität genossen werden. Wildlachs bleibt darum auch ein Luxusgut, das man sich eher zu besonderen Anlässen gönnt. Aber wisst ihr was? Ich möchte jetzt wirklich nicht die große Werbekeule herausholen, aber ich muss zugeben, dass bei Gottfried Friedrichs Feinfisch auch der norwegische Graved Lachs einfach nur genial schmeckt. Ist eben so!
Tja, damit gilt also doch „Lachs gut, alles gut!“ – und zwar egal, ob aus dem wunderschönen Norwegen oder aus dem wilden Alaska! Oder wie sehr ihr das? 

Sonnenuntergang im wunderschönen Bergen in Norwegen

Alle Bilder ohne Wasserzeichnen sind von Marius Fiskum / Fisch aus Norwegen produziert worden.

Um die Transparenz auf meinem Blog und damit auch meine persönliche Authentizität zu wahren, möchte ich euch mitteilen, dass der Trip nach Norwegen von "Gottfried Friedrichs Feinfisch-Manufaktur" und dem "Norwegian Seafood Council" organisiert und unterstützt wurde. Das heißt allerdings nicht, dass dieser Beitrag nicht meiner Meinung entspricht. Er ist genauso ehrlich gemeint, wie jeder andere Beitrag auf meinem Blog auch.  

Printfriendly